Abb. :: Beispiele für Gaunerzinken
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Zinken leitet sich vom althochdeutschen Zinko ab, und bedeutet Zacken oder Spitze. Der Begriff Zinken bezeichnet die geheimen Zeichen von fahrenden Leuten, Wandergesellen, Ganoven, Bettlern u.a., mit deren Hilfe Informationen an die Nachfolgenden weitergegeben werden (z.B. darüber, ob und wo sich das Betteln, ein Einbruch oder das Vorsprechen um Arbeit lohnen könnte).

Diese Zeichen wurden früher meist mit Kreide, Rötel oder Kohle an Hauswänden angebracht oder einfach in die Mauer geritzt. Bereits im Dreißigjährigen Krieg wurden von Gaunerbanden Mordbrennerzeichen benutzt; damit verabredeten sie sich, zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort beispielsweise ein Haus auszurauben und anschließend niederzubrennen.

Wurden diese Zeichen früher am ehesten an Hauswänden, Türstöcken, Briefkästen oder neben dem Klingelknopf angebracht, kann man sie heute auch an ganz anderen Orten finden. So sollen in den 1980er Jahren in Italien Fernlastzüge mit wertvoller Fracht verschwunden sein, nachdem sie zuvor mit Geheimzeichen gekennzeichnet worden waren.

Roland Girtler: Rotwelsch. Die alte Sprache der Gauner, Dirnen und Vagabunden. Böhlau Wien 1998


Eine relativ moderne Variante von »Gaunerzinken« ist das so genannte WarChalking (engl. chalk ~ Kreide), bei dem offene oder öffentlich zugängliche Funk-Netzwerke (WLANs) beispielsweise mit Kreide an Hauswänden kenntlich gemacht werden.

Dazu gibt es eine interessante Gerichtsentscheidung aus dem Jahr 2010: Wer sich mit einem offenen, also nicht Passwort-geschützten W-LAN-Netzwerk verbindet, ohne den Betreiber um Erlaubnis gefragt zu haben, handelt laut einer Entscheidung der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Wuppertal nicht strafbar (nachzulesen unter Aktenzeichen 25 Qs 177/10).